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30. Mai 2022

Bei der Be- und Entlüftung von Behältern das Kleingedruckte beachten

Symbolbild von Archer Mechanical/Pixabay

Falsch eingestellte Ventile können gefährliche Drucküber- bzw. -unterschreitungen verursachen.

Lagertanks lassen konstruktionsbedingt meist nur geringe Betriebsdrücke zu. Daher fallen sie nicht unter die Druckgeräterichtlinie (DGRL). Die Entlüftungsventile werden dann oft auf den zulässigen Betriebsdruck des Behälters oder den höchsten Druck eingestellt, der im Behälter gewünscht wird.

Maßgeblich sind dabei die Herstellerangaben. Ventilhersteller geben die Leistung ihrer Armaturen mit Nomogrammen an. Wird der Betriebsdruck anhand der Nomogramme festgelegt, kommt es bisweilen auf das Kleingedruckte in den Datenblättern oder Betriebsanleitungen an. Denn die Diagramme verschiedener Hersteller sind nicht direkt vergleichbar: Beispielsweise kann die für das vollständige Öffnen des Ventils erforderliche Drucksteigerung zwischen 10 und 100 Prozent betragen. Das ergab ein Vergleich durch das IGR-Mitglied consilab GmbH.

Die vergleichende Betrachtung zeigte unter anderem auch, dass es bei der Kombination von Über- und Unterdruckventilen auf die Öffnungs- bzw. Schließdruckdifferenz sowie auf die richtigen Ventiltypen ankommt. Proportionalteller und Vollhubteller haben unterschiedliche Druckdifferenzen und reagieren unter Umständen unterschiedlich schnell. Gerade bei schnellen Druckwechseln kann eine falsche Abstimmung dazu führen, dass die Ventile nicht vollständig schließen. Zu dicht beieinander liegende Einstelldrücke führen indes zu klappernden Ventilen oder auch zu einem permanenten Ausströmen von Inertgas. Ein höherer Materialverschleiß und verlorenes Inertgas verursachen unnötige Kosten.

Hinzu kommt: Die meisten Herstellerangaben legen für die berechneten Volumenströme Luft mit Umgebungsdruck und 0 °C zugrunde. Bei anderen Medien, Drücken und Temperaturen muss der tatsächlich abführbare Mengenstrom anhand der spezifischen Stoffdaten entsprechend berechnet werden. Auch die Dimensionen der Rohrleitungen, über die gelagerte Medien gegebenenfalls abgeblasen werden, wirken sich auf das Ventil und den Behälterdruck aus. Bei längeren Rohrleitungen entstehen zum Beispiel Druckverluste, die den Maximaldruck im Behälter erhöhen. Weitere Einflussfaktoren sind T- oder Bogenstücke sowie eventuelle Einbauten im Leitungsverlauf.

Die vollständigen Ergebnisse der vergleichenden Betrachtung und eine daraus abgeleitete Handlungsempfehlung steht allen IGR-Unternehmen im Mitgliedsportal zu Verfügung.

Ansprechpartner/-in
Dr. Uwe Bäumler

Clariant Produkte (Deutschland) GmbH
Industriepark Höchst, G 860
65926 Frankfurt am Main